Eine bildhafte Bezeichnung für Menschen, die andere streng zu einem bestimmten Verhalten auffordern, selbst aber gegen dieselben Maßstäbe verstoßen und dabei ertappt werden.
Der Ausdruck verbindet das Bild eines Moralapostels mit einem beschädigten Zeigefinger. Der erhobene Finger steht sinngemäß für Ermahnung und öffentliche Zurechtweisung; ist er „gebrochen“, verliert dieses Auftreten seine demonstrative Wirkung.
Die Wendung wird meist kritisch oder ironisch verwendet. Sie beschreibt eine wahrgenommene Doppelmoral und ist nicht als neutrale Charakterisierung gedacht.
Je nach Zusammenhang kann sie sich auf Einzelpersonen, öffentliche Debatten oder Gruppen beziehen. Für die Einordnung ist deshalb wichtig, welche konkrete Handlung als widersprüchlich empfunden wird.
Sprachlicher Hinweis
Der Ausdruck ist bildhaft und zugespitzt. Er eignet sich vor allem für kommentierende Alltagssprache; in sachlichen Texten sollte der konkrete Widerspruch direkt benannt werden.